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Es ist eine … Uhr?

vor 3 Jahren mit einer geschätzten Lesezeit von 04:07 Minuten

Da stand er nun, die Arme in Siegerpose in die Luft gerissen, als hätte er gerade einen Marathon gelaufen. Tim Cook stellte das neuste Apple Produkt vor, nein, eine neue Produktkategorie um genau zu sein: eine Uhr.

Dazu aber später mehr, denn zuerst wurden neue Smartphones gezeigt, also offiziell. Wer in den letzten Tagen auch nur ein halbes Auge in die einschlägigen Tech Blogs geworfen hat, konnte sich der zahlreichen Leaks nicht erwehren. iPhones sind in Zukunft groß (4,7“) und größer (5,5”), das schmeckt nicht jedem, mir auch nicht – aber man wird sich daran gewöhnen. Ebenfalls gewöhnen wird man sich wohl an den blöden Namen “iPhone 6 Plus” für das 5,5" Modell.

Watch

Die Vorstellung ist gewohnt solide, aber ohne die albernen Witze von Craig Federighi. Die neuen Telefone sind um Faktor x schneller als alles was Apple vorher verkaufte – klar – und so peitschte Phil Schiller die technischen Eckdaten runter. Ich mag den neuen Formfaktor, erinnert mich irgendwie an das klassische iPhone, welches bisher das schönste iPhone war. Über die abstehende Kameralinse kann man streiten, es bleibt abzuwarten wann es das erste “Lensegate” gibt, weil sich jemand beim “hektisch Telefon aus der Tasche ziehen” die Linse abgerissen hat.

Das iPhone selbst ist nur so gut wie sein Betriebssystem iOS und hier wurde bereits auf der WWDC 14 ausreichend Neuerungen und Verbesserungen gezeigt. Ich denke alles in allem wird es wieder eins der besten Telefone, was man so kaufen kann. Der Hype ist weg, klar, aber welcher Hersteller hat heutzutage noch großartig Hype wenn er ein Telefon in die Kamera hält?

Kommen wir jetzt zur Uhr? Nein, denn Apple verkauft nicht nur Hard- und Software, sie verkaufen Lösungen – zugegeben, Lösungen in einem Ökosystem, einem guten Ökosystem. In den USA wird man zukünftig mit seinem iPhone 6 im Laden und in Apps bezahlen können, mit Apple Pay. Alles ganz sicher und privat, das schwört Eddy Cue auf der Bühne und hinter den Kulissen wischt ein Techniker nochmal schnell durch die Bilder aus “The Fappening”.

Für Pay verbaut Apple übrigens erstmals NFC. Da höre ich schon die Unkenrufe, wie sehr Apple einem “Trend” nachrennt. Klar, hätte man schon eher machen können, ich bin aber der Meinung hier hat Apple einfach anderen die Arbeit der Verbreitung überlassen. Die Systeme sind mittlerweile ein Standard, nun kann man es eben auch abgehangen in die eigenen Telefone einbauen. Da ich Bargeld nicht mag und möglichst alles mit einer Plastekarte bezahle, hätte ich Pay auch gern in Deutschland gesehen. Sind wir aber mal ehrlich, in den nächsten Jahren werden wir hiervon nicht viel sehen oder es gar benutzen können. Wo kommen wir Deutschen denn hin, wenn wir im Supermarkt mit unserem Telefonen bezahlen? Das geht nicht. Nein. Schade.

Kommen wir zur Uhr bzw. schweifen wir vorher abermals ein wenig ab, denn ich sah die Keynote diesmal nicht Live, auch wenn ich es gern getan hätte. Der Stream war die größte Katastrophe des Abends. Entweder er lief nicht, oder er riss ab und wenn er kurz lief, dann hatte man eine chinesische Übersetzer Tonspur deutlich hörbar im Hintergrund. Sehr peinlich für Apple, wo man diesmal doch alles richtig machen wollte – mit Micro Site zum Event und so. Ein lesenswerte Analyse bekommt man übrigens hier.

Ich müsste hier aufhören zu schreiben, denn irgendwann in der Nacht, hörte ich auch auf die Aufzeichnung der Keynote zu schauen. Tim Cook, der Mann aus der Einführung des Textes, ist beigeistert und stolz über seine Apple Watch und ich frage mich schon seit der ersten Smartwatch, ob die Menschheit smarte Uhren braucht?

Die Apple Watch ist nicht hässlich, sie ist aber auch nicht hübsch. Das Bedienkonzept ist clever. Die Tatsache, dass Mann und Frau mit drei Grunddesigns und vielen Armbändern sowie Ziffernblätter auf “millionenfache” Variationen kommt, ist schon ziemlich großartig. Damit, und nur damit, setzt sich Apple meiner Meinung nach auf dem Markt der smarten Uhren ab.

Ich kann mir ansonsten nicht helfen, Smartwatches empfinde ich als absolut unnötig, vor allem in der Form wie sie uns aktuell angeboten werden. Egal ob von Apple, Samsung oder Motorola. Ich möchte nicht wie Dick Tracy oder Michael Knight mit meiner Uhr sprechen, ich muss auf meiner Uhr auch keine E-Mails oder Nachrichten lesen oder gar Fotos anschauen. Ich meine, wer will sowas, wer macht sowas? Ich hab nichtmal eine Uhr. Ob ich eine eingehende Nachricht auf dem Telefon oder auf der Uhr lese – in Gesellschaft ist es so oder so unhöflich. Wo ist also der Unterschied? Ich verstehe es ehrlich gesagt nicht.

Ein echtes Fazit, wenn überhaupt nötig, kann ich nicht ziehen – zu gemischt die Gefühle, zu egal das alles. Ich freu mich auf das neue iPhone mit iOS 8 und im Herbst auf Yosemite für den Mac.